Zu: Privatsphäre als Internetpersönlichkeit

Ja, sex sells. Oder das Reden über Sex, Beziehungen, Liebesg’schichten und Heiratssachen verkauft sich im Internet besonders gut. Bei Bloggern und Vloggern jedenfalls.

Boy meets Girl. Girl is a Vlogger on Youtube. Guy makes Vlogs on Youtube. Girl and Guy can’t hide their relationship online. Guy and Girl get bullied by their audience so much they eventually are forced to do the „Boyfriend Tag“.

Im Falle von vielen Vloggern ist die Entscheidung, ihr Liebesleben ebenfalls online zu stellen, nicht sonderlich freiwillig.

Zoes Blogpost über „Zalfie“ im Sommer 2013: „Myself and Alfie have been friends for a long time, we were „shipped“ (when someone wants you to be in a relationSHIP or a friendSHIP of sorts – something I was never aware of previously)  non-stop from the beginning and every little movement or word spoken or photo taken was over analysed beyond anything we could have ever expected which, once we actually started liking each other, became very overwhelming. Going through the stages of an early relationship is actually very daunting for me, now imagine if I was doing that in front of hundreds and thousands, if not millions of people. Even typing that makes me anxious! haha. (…) We also want to express that we will not be an „online couple“. In that sense, I mean that we won’t be vlogging romantic meals out, or us holding hands, or doing ultra soppy or coupley videos and instagrams. It’s something we’d just like to keep to ourselves, which we have every right to want to do. There is a lot that we share with you, but our relationship is something that we would just like to keep and enjoy on our own.“

Zalfie 2015: 

tumblr_nogp64MUSM1th54j1o2_500

  tumblr_no7a93hg9O1tq0sj2o1_r1_250

„gay!!!!!!“ „when are you telling us you like boys“ „guys that can’t be his girlfriend he’s obviously gay“ Der Druck, der von einem großen Publikum kommt, klar zu definieren, ob es jetzt zwischen Junge und Junge, Mädchen und Mädchen oder Mädchen und Junge knistert, ist so hoch wie noch nie. Das aktuellste Beispiel „Don’t Wait“ von Joey Graceffa

tumblr_nogwf0IV2L1tzet00o2_500tumblr_noiah6eh2X1tx8j8oo1_500

Niemand hat gesagt Youtuber zu sein, wäre ein einfaches Geschäft. Beziehungsweise niemand konnte noch vor zehn Jahren einen Youtuber vor dem Status warnen, den er mit dem Boom dieser Online Platform erlangen würde. Viele können genauso wenig einkaufen gehen, wie Stars und Sternchen aus Hollywood, weil Fanmobs sie umzingeln oder gar vor ihrem zu Hause auf sie warten.

Youtuber warnen immer davor, dass ihr Leben nicht so perfekt ist, wie es in dem „Highlight-Reel“ eines Vlogs scheint. Wir sehen schließlich nur zehn, zwanzig Minuten eines vierundzwanzig Stunden Tags. Viele zeigen alle Seiten ihres Lebens, wie Zoella, die „Vlogmas“ (jeden Tag im Dezember ein Video bis Weihnachten) nicht unterbrechen wollte und zeigen wollte, dass auch sie schlechte Tage hatte in „Sometimes It All Gets A Bit Too Much.

tumblr_n7l7hc5woQ1qenlbro1_500

Manche Youtuber meinen, sie haben eine Online-Persona erstellt um Privat und Arbeit für sich selbst besser trennen zu können, wie in der wohl extremsten Erscheinung von Colleen als „Miranda Sings

Aber die Selbstvermarktung der Youtuber, egal wie, scheint zu funktionieren. Als Beweis dafür muss man nur in die Englischabteilung in der Buchhandlung seines Vertrauens schauen. Als das erste Buch einer Youtuberin herauskam, war für viele Weihnachten vorverlegt worden. „GRACE’S GUIDE!!!!!!“ „#TEAMINTERNET DID IT AGAIN!“

tumblr_ndsmaaN6rO1qea1jqo5_400

Und tatsächlich, wir waren alle glücklich für unsere Lieblingsyoutuber. Verlage haben erkannt, dass Youtuber eine enorme Einnahmequelle sein können und plötzlich hagelte es Buchverträge für alle. Findet man jetzt in seinem Feed ein neues Video namens „HUGE ANNOUNCEMENT!“ ist es ziemlich klar, welches Gesicht man gleich machen wird… 😒

rebellious-asian

Klar, Buchverträge, unglaublich cool und alles, aber Tatsache ist, hinter den Verträgen stehen meist mehr (nicht alle!) Ghostwriter und Geldmacherei, als verdiente Belohnung für kreative Ideen und lesenswerter Content. Natürlich nicht alle, aber das Misstrauen wächst exponentiell.

Exhibit A:

tumblr_nfpzsk7gdn1tlg04bo2_500

d9d5f23d63aca9fc69274c446b88554e

588e477c873af5f2702583e02632834c

e62be5ca8af7590b1296aa6cc49aa9e2

tumblr_novpsyE3pn1tzhcgto5_1280

bf86dbbc50464b713df0a4900736fc74

697e1719b8097ff7bf99c8c0d804f014

71dJX4ZI-kL

… to be continued

Ich glaube schon, dass Selbstvermarktung und Privates eine große Rolle in dieser Industrie spielen. Oft fängt alles mit einem spezifischen Thema an, aber persönliche Details werden immer öfter hineinschlüpfen. Wenn man so einen großen Teil seines Lebens im Internet preis gibt, wird es schwer sein, andere Teile zu verbergen. Selbst wenn man, wie Grace Helbig, nie offen sagt, mit wem man zusammen ist, wird die Person oft in Videos vorkommen, ob das nun als Privates teilen gilt oder nicht, kann sich jeder mit sich selbst ausmachen. Persönlich schaue ich Daily Vlogs, die sich um kein bestimmtes Thema drehen (Person über Inhalt) am liebsten. Ich finde es nicht schrecklich, wie viel manche Leute preis geben, ich finde es mutig, weil es einen enorm angreifbar macht, aber die Connection mit ihrer audience oder ihnen durch eigene Erfahrungen helfen zu können, ist diesen Youtubern und Bloggern wichtiger. Wir fühlen uns hintergangen, wenn uns eine Person enttäuscht und würden am liebsten unsere ganzen Geheimnisse zurückverlangen, doch diese Menschen teilen sie mit Millionen von Menschen. Jeder muss für sich persönlich entscheiden, wie weit er seine Privatsphäre schützt.

  • Ich stimme dir voll und ganz zu… Ich lese zwar selber unglaublich gerne YouTuber-Bücher, zum Beispiel TABINOF, I Hate Myselfie und In Real Life haben mir unglaublich gut gefallen, aber es ist wirklich so, dass es inzwischen einfach so einen Überfluss daran gibt, da weiß man gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll.
    Ich finde auch die Entscheidung unglaublich mutig, sein Leben mit dem Internet zu teilen, allerdings stellt sich da manchmal die Frage, inwiefern es noch eine Entscheidung ist? Wenn man nur die Beispiele von Joey oder Zoe nimmt, die du angesprochen hast, sieht man, was für ein Druck eigentlich auf diesen Leuten sitzt, und wie wenig es eigentlich noch ihre Entscheidung ist, was sie veröffentlichen und was nicht, weil die Millionen Abonnenten, die sie teilweise haben, wie eine hungrige Meute vor ihren Bildschirmen hocken und immer mehr, mehr, mehr wollen (Ich zähle mich übrigens teilweise auch dazu… mit Einschränkungen, aber ich bin einfach ein YouTube-Kind). Natürlich kann man jederzeit sagen, „Nein, das möchte ich nicht verraten“, aber dann muss man sich auch bewusst sein, dass man in den meisten Fällen wahrscheinlich mehr negatives als positives Feedback bekommen wird.