Blattkritik: Missy Magazine

Diese Blattkritik behandelt das Missy Magazine der Ausgabe #1/15 von März/April/Mai 2015 und #02/14 von Juni/Juli/August 2014. Das Magazin wurde 2008 von Sonja Eismann, Stefanie Lohaus und Chris Köver gegründet, sowie erstmalig herausgegeben. Es erscheint alle drei Monate, mit einer Auflage von 20 000 Exemplaren und lehnt sich an das amerikanische Format „BUST“ an.

Der Preis beläuft sich auf stolze 6,50€, womit es weder das billigste, noch das teuerste Magazin im Bahnhofsshop ist. Mit der Rechtfertigung, dass ein Billa-Einkauf locker auf den selben Preis kommt, ist das Magazin auch definitiv leistbar. Im Untertitel beschreibt das Magazin seine Themen mit „Musik, Film, Kunst, Politik, Sex, DIY & mehr“ Das Cover könnte nicht deutlicher machen, dass es sich hierbei nicht um ein traditionelles Magazin mit der Zielgruppe Frauen handelt, da die 3 Frauen, die auf dem Cover abgebildet sind, völlig bekleidet sind und kein plakativer Artikeltitel die neueste Diät ankündigt. Danke dafür, schon vorweg.

Beim Missy Magazine handelt es sich um ein feministisches Medium, das versucht in vertrautem Ton über Musik, Film, Buch und anderen Populärthemen zu berichten. Man merkt wieviel Intellekt, Wortschatz und Recherche hinter den Artikeln stecken und trotzdem sind es flüssige, kreative, einfach zu lesende Texte. Das traditionelle Bild der Frau, beziehungsweise das „emanzipierte Bild der Frau, die in der Öffentlichkeit doch gerne immer noch so tut, als würden ihre Körperöffnungen nicht funktionieren und perfekt aussehen, auf dem Weg zum Billa, voll normal“ in Frauenmagazinen, wird auf jeden Fall aufgebrochen. Als Gegenbewegung zu Brigitte & Co, bietet sie die perfekten „Anti-Themen“ wie unter anderem „Fett for Fun“ und „Arschpappe statt Wohlfühlkissen“ mit diesem zitierbarem Schmuckstück: „Lange Jahre gab es einen Ort, an dem man sich als Frau einmal nicht verwöhnen musste. An dem man dieses ganze Weiblichkeitsgewese für ein, zwei oder fünfundvierzig Minuten komplett vergessen konnte und nicht mehr sein musste als ein fleischiges Säugetier, das zusammengekrümmt auf der Kloschüssel hockt und zerfledderte Donald-Duck-Hefte liest.“ (Erinnerung an das Frauenbild ohne funktionierender Körperöffnungen!)

Mir gefällt, wie nahtlos englische, zeitgenössische Ausdrücke in die Texte eingegliedert werden, wie Hashtags oder „Hater“. „(…) es ist unübersehbar, dass Personen, die sich als weiblich/feministisch/queer/trans etc. zu erkennen geben, in besonderer Weise bedroht werden.“ Feminismus kümmert sich nicht nur um die Gleichberechtigung von Frauen, sondern auch jeglichen anderen, diskriminierten Gruppen. Definitionen spielen eine große Rolle und in den Texten ist klar, dass darauf wert gelegt wird, dass sich jeder vertreten fühlt und keine Worte verwendet werden, die Personen als beleidigend empfinden. Ihre Reichweite nutzen sie vorbildhaft, um shoutouts für Organisationen und Projekte, die jede Aufmerksamkeit verdienen, anzubringen.

Die neue Kolumne von „Lady Bitch Ray“ kann man sich auf der Zunge zergehen lassen, doch im letzteren Drittel fielen meine Augen auf einen Satz, der mich dann etwas skeptisch werden ließ: „Wenn mir dann Frauen wie Sonya Kraus oder Daniela Katzenberger begegenen, möchte ich am liebsten selbst eine Burka tragen, und zwar mit Gesichtsschleier und ohne Augenschlitze – damit ich solche nervigen Weibsbilder nicht sehen muss.“ Klar, verschiedene Einstellungen und Werte, besonders wenn man in das Thema Feminismus eintaucht, sind eine komplett persönliche und individuelle Sache, aber für mich gehört auch dazu, dass man andere Frauen unterstützt und sie für das respektiert was sie tun, auch wenn man es zwangsläufig nicht selbst machen würde. “Obviously, as an adult I realize this girl-on-girl sabotage is the third worst kind of female behavior, right behind saying ‚like‘ all the time and leaving your baby in a dumpster.”, wie die weise Tina Fey schon schrieb.

Man liest über Bücher, die einem in Buchläden vielleicht gar nicht auffallen würden, statt der Bestseller, die in jedem aktuellen Magazin breitgetreten werden. Durch das Spielen mit Sprache ziehen selbst kleinere Beiträge Aufmerksamkeit auf sich, wie „Equality my ass!“. Sexualität ist im Missy Magazine kein Tabu, sondern wird offen (vielleicht auch etwas zu offen) diskutiert und thematisiert. Mit Humor, Intellekt und frechen Texten ist das Medium mit Spaß zu lesen, der rote Faden zieht sich durch das ganze Blatt und die feministische Perspektive ist eine erfrischende, gewünschte Abwechslung zu traditionellen Medien.

Mein persönlicher Kritikpunkt ist, dass es wenig Texte von männlichen Feministen gibt. Es erweckt den Eindruck, dass nur Frauen „politisch korrekt“ über Frauen, für Frauen schreiben können und es würde vielleicht das Vorurteil, dass sich mit dem „schlechten Ruf“ von Feminismus gebildet hat, dass Männer keine Feministen sein können, zerschlagen. Was mir neu war, ist das feministische Medien, feministische Medien sind, weil sie es in ihrer Blattlinie explizit anführen. Ich fände es schön, wenn eines Tages (Utopie, ahoi!) feministische Medien nicht mehr als feministisch betitelt werden müssten, weil meiner Meinung nach jedes Medium sich zum Feminismus bekennen sollte und das Missy Magazine als ein gesellschaftskritisches, informatives, humorvolles und einfach echt cooles Magazin gilt.